Interview Stiftung Terra Vecchia Worb

Von Impact Immobilien am Juli 8, 2024

Stiftung Terra Vecchia - Mit Menschen an der Zukunft arbeiten

Gabriela Graber Stiftung Terra VecchiaGabriela Graber
Geschäftsleiterin Stiftung Terra Vecchia

 

 

 

 

Die Stiftung Terra Vecchia bietet Entwicklungsraum für Menschen mit Unterstützungsbedarf. Die Angebote umfassen Sozialtherapie, Arbeitsintegration, Wohnförderung sowie Dienstleistungs- und Produktionsbetriebe. Im März 2024 feierte Terra Vecchia ihr 50 Jahre Jubiläum. Derzeit plant sie in Worb mit der Impact Immobilien AG einen neuen Standort für ihre Werkstätten. Im Interview mit Geschäftsleiterin Gabriela Graber erfahren Sie mehr über die Arbeit der Stiftung und den geplanten Neubau aus Holz.

Gabriela, Du arbeitest seit 29 Jahren bei der Stiftung Terra Vecchia und seit 10 Jahren als Geschäftsleiterin. Was motiviert Dich persönlich, dass Du Dich schon so lange für die Stiftung Terra Vecchia engagierst? 

1995 bin ich als Praktikantin der Sozialen Arbeit zu Terra Vecchia gestossen – schon damals hat mich die Sinnhaftigkeit der Tätigkeit, der Gestaltungsspielraum, das Mitspracherecht und der spürbare Innovationsgeist begeistert. Diese Begeisterung ist bis zum heutigen Tag geblieben.

Wie würdest Du den Zweck und Ziel der Stiftung beschreiben? 

Der Stiftungszweck ist seit dem Gründungstag im Jahr 1973 in der Stiftungsurkunde verankert. Er prägt noch immer den Arbeitsalltag der Mitarbeitenden und beschreibt sehr gut, was wir machen: «Die Stiftung mit Sitz in Bern bezweckt die Hilfe an Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die in der Auseinandersetzung mit sich und der heutigen Welt bedroht und gefährdet sind, mittels Angeboten des Erlebens einer Gemeinschaft, die etwas Sichtbares schafft und unsichtbar Fundamente zu einer sinnvollen Existenz legt.» 
Diese Unterstützung bieten wir im Rahmen von stationären, teilstationären und ambulanten Angeboten, die auf ein Ziel hinarbeiten: Für jeden einzelnen Menschen – seinen Möglichkeiten entsprechend – eine grösstmögliche Autonomie zu erreichen. Dazu gehört die soziale und berufliche Integration.

Welche Menschen spricht die Stiftung mit ihren Angeboten an?

Vor 50 Jahren waren wir schweizweit eine der ersten Organisationen, die sich drogenabhängiger Menschen angenommen hat. Vielerorts werden wir noch immer ausschliesslich als Anbieterin von Therapien für Suchtmittelabhängige wahrgenommen. Aber in Tat und Wahrheit ist das schon lange überholt. Der grösste Anteil an Klientinnen und Klienten der Stiftung Terra Vecchia weist keine Suchtmittelabhängigkeit auf. Sie nutzen unsere Angebote, weil sie sich in persönlichen Krisen befinden, psychische Probleme haben oder Unterstützung im Rahmen der Arbeitsintegration benötigen, da sie aus irgendeinem Grund aus dem Arbeitsmarkt gedrängt wurden oder noch gar nie die Chance hatten, sich darin zu bewähren.

In den letzten Jahren haben wir unsere Angebote zudem gezielt auf Jugendliche und junge Erwachsene mit und ohne Suchtmittelabhängigkeit ausgerichtet. Gerade bei dieser Zielgruppe besteht grosser Bedarf. Im Angebot Familienplätze bieten wir Jugendlichen ab 12 Jahren einen Platz in einer Gastfamilie an. Rund 30 Familien mit und ohne landwirtschaftlichem Hintergrund sind bei uns angestellt.

Sämtliche Produktions- und Dienstleistungsbetriebe von Terra Vecchia bieten Ausbildungs-plätze für Personen mit gewissen Leistungseinschränkungen oder Problemstellungen an. Sie haben die Möglichkeit, eine Berufslehre auf den Ausbildungsniveaus EFZ, EBA oder Praktische Ausbildung (PrA) nach INSOS in zehn verschiedenen Branchen zu absolvieren. Davon profitieren nicht nur Klientinnen und Klienten im Bereich der Arbeitsintegration, sondern auch jene, die sich in einer stiftungsinternen Sozialtherapie befinden.

Die Stiftung Terra Vecchia besteht seit 50 Jahren und ist sehr solide aufgestellt. Wie wird die Stiftung finanziert? 

Unser Finanzierungssystem ist sehr komplex. Je nach Zielgruppe ist die eine oder andere Behörde oder Sozialversicherung zuständig. Kurz gesagt: Für alle sozialtherapeutischen Angebote haben wir einen Leistungsvertrag mit dem Amt für Integration und Soziales des Kantons Bern und einen Leistungsauftrag mit dem Kantonalen Jugendamt. Je nach Situation ist die zuständige Gemeinde involviert und in Gefährdungssituationen auch die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB). 
Arbeitsintegrationsmassnahmen werden von der IV oder der zuständigen Gemeinde finanziert.

Unsere im Markt positionierten Dienstleistungs- und Produktionsbetriebe hingegen generieren wir mit dem Verkauf von Produkten und Dienstleistungen gegen 70 Prozent des Umsatzes selber – das ist ganz bewusst so gewählt, damit ein möglichst realitätsnaher Rahmen geschaffen werden kann. Es ist also nicht so, dass wir vom Kanton Subventionen erhalten und unsere Produkte günstiger verkaufen können. Im Gegenteil: Wir produzieren hochwertige Produkte und binden Menschen ein, die auf Unterstützungsbedarf angewiesen sind. Der Ertrag über die IV-Tarife fliesst vollumfänglich in das Personal, das wir für die Begleitung zusätzlich benötigen. Unsere Fachmitarbeitenden leisten hier Grosses!

Die Stiftung plant in Worb einen Neubau für ihre Werkstätten wie die Baumeisterei, die Schlosserei, die Zimmerei und die Schreinerei sowie einer agogischen Werkstätte. Warum braucht es einen Neubau und welcher Nutzen ergibt sich damit?

Unsere Werkstätten sind aktuell in kleinen Einheiten weit verstreut – Tägertschi, Rüfenacht, Kehrsatz. Unsere Gastronomie am Brüggliweg in Gümligen versorgt Tägertschi und Kehrsatz mit Mittagessen. Mitarbeitende von Rüfenacht fahren täglich für das Mittagessen ins Melchenbühl. Lange Fahrzeiten, eine grosse Fahrzeugflotte, unkoordinierte Materialbestellung und Liegenschaften, die in die Jahre gekommen sind, belasten das Budget. Die Zusammenlegung der Werkstätten in Worbboden ermöglicht uns eine optimale Nutzung von personellen, finanziellen und materieller Ressourcen. Dies schafft neue Freiräume, wie zum Beispiel die Schaffung einer agogischen Werkstätte. Wir sind mit der Herausforderung konfrontiert, dass viele junge Menschen stark belastet sind und sowohl schulische wie motorische Defizite aufweisen. Die agogische Werkstätte soll – ähnlich wie im Werkunterricht in der obligatorischen Schulzeit – gezielt auf die Tätigkeit in den Produktionsstätten vorbereiten oder auch Lernende in Krisen unterstützen. Somit entlasten wir auch die Produktionsstätten, die diese Leistung z.T. zusätzlich übernommen haben.

Warum hat die Stiftung den Neubau nicht selber finanziert?

Das Projekt hätte einen Grossteil unserer finanziellen Ressourcen gebunden und unseren Innovations-spielraum für die anderen Bereiche geschmälert. Bedürfnisse in der Gesellschaft verändern sich – wir müssen diese Bedürfnisse erkennen, unsere Angebote entsprechend anpassen und beweglich bleiben. Die Finanzierung über die Impact Immobilien AG schafft diesen Freiraum, trotz zukünftig höherer Mietkosten

«Die Zusammenlegung der Werkstätten in Worbboden ermöglicht uns eine optimale Nutzung personeller, finanzieller und materieller Ressourcen. Dies schafft neue Freiräume - davon profitieren letztendlich unsere Klientinnen und Klienten.»

Gabriela Graber
Stiftung Terra Vecchia

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit der Impact Immobilien AG?

Im November 2022 lag ein baubewilligtes Projekt auf dem Tisch, das fernab unserer finanziellen Möglichkeiten stand. Auf der Suche nach einem Investor sind wir auf die Impact Immobilien AG gestossen. Schnell war das gegenseitige Interesse gross, aber auch die Klarheit, dass es ein neues Projekt benötigt.

Die Stiftung Terra Vecchia bleibt in der Zusammenarbeit weiterhin Eigentümerin des Landes und erteilt der Impact Immobilien AG ein langfristiges Baurecht. Gleichzeitig wird sie künftig Generalmieterin der Liegenschaft und hat einen langfristigen Mietvertrag abgeschlossen. Welche Vorteile ergeben sich aus dieser partnerschaftlichen Zusammenarbeit für die Stiftung?

Dieses Kommitment ist ein gegenseitiges Bekenntnis für eine dauerhafte, partnerschaftliche Zusammenarbeit, die uns Sicherheit gibt. Wir können uns weiterentwickeln und allfällige weitere Investitionen mit gutem Gewissen tätigen, ohne zu befürchten, mit einer Auflösung des Mietvertrages rechnen zu müssen. Das sorgt für allgemeine Zufriedenheit. 

Für das geplante Projekt wurden gemeinsam mit der Impact Immobilien AG verschiedene Angebote von Gesamtleistern eingeholt. Was hat dies aus Deiner Sicht gebracht?

Auf der Grundlage des ersten Projektes wurden verschiedene Gesamtleister aufgefordert, eine kostengünstige Variante vorzuschlagen. Die nochmalige tiefere Auseinandersetzung mit unseren Wünschen, dem Bedarf und den Kosten haben unser kollektives Bewusstsein nochmals geschärft und einen «WIR-Effekt» begünstigt. Der erneute Prozess hat Ängste beseitigt und spürbare Freude für das gemeinsame Projekt geweckt. Erst kürzlich sprachen sich die Führungspersonen dafür aus, die Zukunft als ein Betrieb mit unterschiedlichen Abteilungen in Angriff zu nehmen.

Der Entscheid für die weitere Planung und Realisierung fiel auf die bekannte Holzbaufirma Renggli AG aus der Innerschweiz. Was hat Dich vor allem überzeugt?

Das Projekt der Renggli AG überzeugt ästhetisch und ist funktional durchdacht. Es wurde mit Kopf und Herz für Terra Vecchia entwickelt. Zusammen mit der Design-to-Cost-Kompetenz der Impact Immobilien AG ist ein für uns finanziell tragbares Projekt mit hoher Qualität entstanden. 

Die Impact Immobilien AG verfolgt bei Neubauprojekten einen Design-to-Cost Ansatz. Welche Vorteile siehst Du darin? Konnte die Stiftung trotz des starken Fokus auf die Kosten ihre Wünsche in das Projekt einbringen?

Ich habe das Gefühl, dass es noch immer unser Projekt ist, obwohl wir es nicht mehr selber finanzieren. Unsere Überlegungen werden gehört und auch verstanden und wir selber werden angeregt, Neues zu denken und Unbekanntes zu überprüfen. Wir sind froh, dass die Impact Immobilien AG die Kostenkontrolle übernimmt und eingreift, wenn Wunsch und Realität auseinanderklaffen!

Gibt es bei der Planung und Umsetzung spezielle Herausforderungen?

Die grösste Herausforderung haben wir gerade gemeistert: Für den Werkhof eine Übergangssituation und für die Autogarage einen neuen Standort zu finden. Ende Juni ziehen beide Angebote nach Münsingen. 
Der voraussichtliche Umzug der Betriebe im Herbst 2025 wird uns vor logistische Herausforderungen stellen, da sich die Auftragsbücher schon wieder füllen. Doch bereits heute werden die Köpfe regelmässig zusammengesteckt und Zeitpläne erstellt. Ich bin überzeugt, dass wir das gut hinkriegen werden.
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Wie hast Du und Dein Team die bisherige Zusammenarbeit im Projekt erlebt?

Seit Projektstart finden wöchentliche Sitzungen statt, in denen sich Fachpersonen der Renggli AG, Impact Immobilien AG und Terra Vecchia treffen. Punktuell bin auch ich dabei. Die Zusammenarbeit ist toll: Auf Augenhöhe, wertschätzend, vertrauensvoll offen und effizient!.

Gut zu wissen – Stiftung Terra Vecchia

Die Stiftung Terra Vecchia bietet Entwicklungsraum für Menschen mit Unterstützungsbedarf und feiert 2024 ihr 50-jähriges Jubiläum. Sie bietet ein vielfältiges Angebot in den Bereichen Arbeitsintegration und Produktion sowie Wohnförderung und stationäre Sozialtherapie für Jugendliche und Erwachsene.

www.terra-vecchia.ch

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Impact Immobilien

Von Impact Immobilien am 08. Juli 2024

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